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9.2 Emission, Absorption und Photoeffekt

Quelle: Themenpool §9 · Mitschrift §6.3.3 (Photoeffekt)

Emission und Absorption

Elektronen besetzen im Atom diskrete Energieniveaus E1,E2,E3, — sie können also nicht jede beliebige Energie haben, sondern nur bestimmte „Stufen". Zwischen zwei Stufen gibt es keine erlaubten Zustände.

  • Bei der Absorption trifft ein Photon das Atom. Nur wenn seine Energie genau zur Lücke zwischen zwei Niveaus passt, wird es geschluckt und ein Elektron springt auf ein höheres Niveau.
  • Bei der Emission fällt das Elektron wieder auf ein tieferes Niveau zurück und gibt die Differenz als ein Photon ab.

Energieerhaltung beim Sprung von Niveau E1 auf E2:

ΔE=E2E1=hf

ΔE Energiedifferenz der beiden Niveaus; f Frequenz des aufgenommenen/abgegebenen Photons.

Warum überhaupt diskrete Linien und nicht ein durchgehendes Farbband? Weil nur bestimmte ΔE erlaubt sind, gibt es nach f=ΔE/h auch nur bestimmte Frequenzen (Farben). Aus diesen Quantensprüngen entstehen die für jedes Element charakteristischen Linienspektren — eine Art „Strichcode", an dem man Elemente (auch in fernen Sternen) erkennt.

Rechenbeispiele (laut Themenpool: mit Rechenbeispielen!)

Quelle: Mappe, Schularbeitszettel (ca. S. 103–104) · Zahlen selbst nachgerechnet

In der Atomphysik gibt man Energien meist in Elektronenvolt (eV) an — die Energie, die ein Elektron beim Durchlaufen von 1 V Spannung gewinnt:

1 eV=1,6021019 J

✎ Größenordnungsgefühl: sichtbares Licht hat Photonen von ca. 1,63,1 eV (rot → violett); UV-Photonen liegen >3,1 eV.

Beispiel 1 (Quantensprung → Photon): In einem Atom springt ein Elektron von E3=11,7 eV auf E1=9,15 eV zurück und emittiert ein Photon. Berechne Energie, Frequenz und Wellenlänge.

  1. ΔE=11,79,15=2,55 eV=2,551,6021019 J4,091019 J
  2. f=ΔEh=4,0910196,62610346,21014 Hz
  3. λ=c0f=31086,210144,9107 m490 nm — sichtbares Licht (blaugrün) ✓, konsistent damit, dass 2,55 eV im sichtbaren Bereich liegt.

Beispiel 2 (Warum merken wir im Alltag nichts von der Quantelung?): Eine Laserdiode mit Leistung P=1 mW sendet Photonen der Frequenz f=6,221014 Hz aus. Wie viele Photonen pro Sekunde?

Eγ=hf=6,62610346,2210144,11019 J,N=PtEγ=10314,110192,41015

Rund 2,41015 Photonen pro Sekunde — die einzelne Portion hf ist so winzig, dass Energie makroskopisch kontinuierlich wirkt; deshalb bleibt die Quantelung im Alltag „unsichtbar".

Photoeffekt (Einstein 1905)

Beobachtung: UV-Strahlung schlägt ab einer Mindestenergie Elektronen aus einer (negativ geladenen) Zinkplatte; sichtbares (z. B. rotes) Licht nicht — auch bei sehr hoher Intensität.

Schulversuch (Hallwachs-Versuch)

Quelle: Mappe ca. S. 80, 105 · Aufbau im Detail in Thema 13

Eine negativ geladene Zinkplatte sitzt auf einem Elektroskop; man bestrahlt sie mit einer UV-Lampe → die Platte entlädt sich, der Zeiger/das Blättchen des Elektroskops fällt (die herausgeschlagenen Elektronen tragen die negative Ladung weg).

  • Schiebt man eine Glasplatte zwischen Lampe und Zinkplatte (Glas absorbiert UV) → der Effekt stoppt: Beweis, dass der UV-Anteil des Lichts verantwortlich ist, nicht sichtbares Licht oder Wärme.
  • Fangfrage: Warum entlädt sich eine positiv geladene Zinkplatte nicht? Die Photonen schlagen zwar genauso Elektronen heraus, aber diese werden von der positiven Ladung sofort zurückgezogen — das Elektroskop zeigt keine Änderung. Deshalb braucht der Versuch negative Ladung.

Warum die klassische Wellentheorie hier versagt

Um zu verstehen, warum Einsteins Erklärung nötig war, muss man erst sehen, was die klassische Wellentheorie vorhersagt — und warum jede ihrer Vorhersagen dem Experiment widerspricht:

  1. Klassisch trägt die Welle ihre Energie in der Amplitude. Die Intensität (Energie pro Fläche und Zeit) einer Welle ist proportional zum Quadrat der Amplitude: IA2. Die Frequenz f steckt in dieser Energiebilanz gar nicht drin.
  2. Vorhersage 1 (falsch): Wenn die Energie nur an der Amplitude hängt, müsste genügend helles rotes Licht (große Amplitude) ein Elektron genauso lösen wie UV — man müsste nur hell genug strahlen. Im Experiment löst rotes Licht aber bei keiner noch so hohen Intensität Elektronen aus. Es kommt offenbar auf die Frequenz an, nicht auf die Helligkeit.
  3. Vorhersage 2 (falsch): Bei schwachem Licht müsste das Elektron erst nach und nach genug Energie aus der Welle „aufsammeln" — es gäbe eine messbare Einschwing-/Wartezeit. Tatsächlich treten die Elektronen praktisch sofort aus, auch bei schwächstem UV.
  4. Vorhersage 3 (falsch): Klassisch müsste mehr Helligkeit jedem Elektron mehr Energie geben (höhere Geschwindigkeit). Tatsächlich ändert mehr Helligkeit nur die Zahl der Elektronen, nicht deren Energie.

Die Wellentheorie ist also an drei Punkten widerlegt. Etwas Grundlegendes fehlt.

Einsteins Quantenerklärung — Schritt für Schritt

Einsteins Idee: Licht trifft nicht als kontinuierliche Welle ein, sondern als einzelne Photonen der Energie hf. Ein Elektron schluckt ein Photon — alles oder nichts.

  1. Ein einzelnes Photon liefert dem Elektron seine gesamte Energie auf einmal: Eγ=hf. (Eγ Photonenergie; h Planck-Konstante; f Lichtfrequenz.)
  2. Um das Elektron überhaupt aus dem Metall zu lösen, muss eine materialabhängige Ablösearbeit EA aufgebracht werden (die Energie, die das Elektron im Metall festhält). EA Ablösearbeit (auch „Austrittsarbeit").
  3. Was vom Photon nach dem Lösen übrig bleibt, steckt im herausfliegenden Elektron als kinetische Energie Ekin. Energieerhaltung („empfangen = verbraucht + übrig"):
Eγ=hf=EA+Ekin
  1. Nach der kinetischen Energie aufgelöst:
Ekin=hfEA
SymbolBedeutung
Eγ=hfEnergie des einen einfallenden Photons
EAAblösearbeit (hält das Elektron im Metall; materialabhängig)
Ekinkinetische Energie des herausgelösten Elektrons
hPlanck-Konstante =6,6261034 Js
fFrequenz des Lichts

Die drei Fälle (Vergleich von Eγ=hf mit EA)

FallBedingungWas passiert
1Eγ<EAPhoton zu „schwach" → kein Elektron, egal wie viele solcher Photonen kommen (Helligkeit ändert nichts).
2Eγ=EAPhoton reicht gerade → Elektron löst sich, aber mit Ekin=0, also v=0. Das definiert die Grenzfrequenz fGrenz=EA/h.
3Eγ>EAÜberschuss wird zu kinetischer Energie: Ekin=hfEA.

Im Fall 3 kann man die Geschwindigkeit des Elektrons aus Ekin=12mev2 berechnen:

Ekin=12mev2v=2Ekinme

me Elektronenmasse; v Austrittsgeschwindigkeit des Elektrons.

Rechenbeispiel: Warum die Zinkplatte UV „akzeptiert", rotes Licht aber nicht

Die Ablösearbeit von Zink beträgt etwa EA4,3 eV6,91019 J.

Einfallendes LichtFrequenz f=c0/λPhotonenergie hfVergleich mit EAErgebnis
Rot λ=700 nm4,31014 Hz2,81019 J 1,8 eV<EAkein Elektron (Fall 1) — egal wie hell
UV λ=250 nm1,21015 Hz8,01019 J 5,0 eV>EAElektron tritt aus (Fall 3), Ekin0,7 eV

Geschwindigkeit des Elektrons im UV-Fall (Ekin0,66 eV1,061019 J):

v=2Ekinme=21,0610199,1110314,8105 m/s

Grenzfrequenz von Zink: fGrenz=EA/h1,041015 Hz, entsprechend λ290 nm — bereits im UV. Das gesamte sichtbare Licht (ca. 1,63,1 eV) liegt unter den 4,3 eV von Zink — deshalb funktioniert bei der Zinkplatte nur UV.

Für Nachfragen: Ekin=hfEA liefert streng genommen die maximale kinetische Energie (vollständige Bilanz im Lehrbuch: hf=Ekin+WA+WS): Elektronen aus tieferen Schichten des Metalls verlieren unterwegs durch Stöße zusätzlich Energie WS und sind langsamer — die Einstein-Gleichung beschreibt die schnellsten Elektronen von der Oberfläche.

Warum das alle drei Widersprüche auflöst

  • Frequenzschwelle: Unterhalb von fGrenz ist hf<EA — kein einzelnes Photon kann das Elektron lösen, und da ein Elektron immer nur ein Photon schluckt, hilft auch hohe Helligkeit nicht. Entscheidend ist die Energie pro Photon (= Frequenz f), nicht die Gesamtintensität.
  • Sofortiger Austritt: Die ganze Photonenergie kommt in einem Stoß — kein Aufsammeln, also keine Wartezeit.
  • Helligkeit vs. Energie: Mehr Helligkeit = mehr Photonen pro Sekunde → mehr gelöste Elektronen, aber jedes einzelne bekommt weiterhin nur hf. Die Zahl der Elektronen hängt von der Intensität (= Photonenzahl) ab, die kinetische Energie eines einzelnen Elektrons aber nur von f.

✎ Für diese Deutung (nicht für die Relativitätstheorie) erhielt Einstein den Nobelpreis. Der Photoeffekt ist der erste direkte experimentelle Beweis, dass Licht Teilchencharakter hat.